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Mit Blindenschrift und Computer ins Internet

Die Sprachausgabe

Allgemeines

Die Sprachausgabe ist gegenüber der Braillezeile eine preiswerte Alternative. Zahlt man unter Umständen für die Anschaffung einer Braillezeile mehr als 10.000 €, beträgt der Anschaffungswert einer Sprachausgabeeinheit erheblich weniger, zumal die meisten Screenreader im Grundkonzept Sprachausgaben enthalten.

Die Wirtschaftlichkeit besteht aber nicht nur beim Einkaufspreis. Da die Funktion rein auf elektronischer Basis beruht, ist die Fehleranfälligkeit nicht so hoch wie bei Braillezeilen. Diese haben nämlich noch mechanische Aufgaben, denn die Blindenschrift muß durch Setzen von Punkten abgebildet werden. Das verursacht nicht nur mechanische Abnutzung, sondern eine kontinuierliche Verschmutzung. Die regelmäßige Reinigung der Braillezeilen ist somit dringend erforderlich. Dagegen ist dieser Aspekt bei Sprachausgaben gegenstandslos.

Die Erzeugung der synthetischen Sprache zur Bildschirmerfassung erfolgt nach 2 unterschiedlichen Methoden. Das erste Verfahren gehört zur Geschichte und wird abgesehen von alten Systemen nicht mehr angewandt. Ich beschreibe es aus Gründen der Vollständigkeit. Es gab ein kleines Kästchen, welches an die serielle Schnittstelle der Rechner angeschlossen wurde. In den meisten Fällen liefen die Rechner unter dem Betriebssystem DOS. In der externen Einheit erfolgte unabhängig vom benutzten Computerdie Erzeugung der Sprache. Die Computer mußten nur das Ausgabemedium, im häufigsten Fall "Apollo Sprachausgabe" genannt, mit den auszulesenden Informationen versorgen.

Das andere Prinzip entspricht dem aktuellen und modernen Stand der Technik. Hier werden die ohnehin in modernen Computern vorhandenen Soundkarten eingesetzt. Die Rechner haben hierbei die zusätzliche Aufgabe, mittels eingebauter oder auch externer Soundkarte die Sprache zu erzeugen.

Neben der Generierung der Sprache wird unter dem Namen Screenreader ein Zusatzprogramm benötigt, welches den Bildschirm ausliest. Im einfachsten Fall muß der Bildschirm seriell von oben nach unten ausgelesen werden. Diese Aufgabenstellung reicht aber meistens nicht aus, denn es sind aufwendige Zusatzfunktionen erforderlich, um mit der zu benutzenden Anwendungssoftware umzugehen. Oft sind dann nur Teile des Bildschirmes interessant, und durch geschickten Umgang mit der Auslesesoftware kann eine recht optimale Arbeitsweise erreicht werden. Dies erfolgt dadurch, indem der Benutzer dem Ausleseprogramm mitteilt, welche Teile des Bildschirmes vorzulesen sind - nächste Zeile, die oberste oder unterste Zeile oder die gelb bzw. rot unterlegten Zeichen.

Die Eingabe dieser Steuerbefehle erfolgt im Regelfall über die normale PC-Tastatur. Einige moderne Braillezeilen besitzen zwischenzeitlich Eingabetastaturen, mit denen man ebenfalls die Vorgabe besagter Steuerbefehle abwickeln kann.

Begonnen habe ich den Abschnitt mit den Vorteilen dieses Ausgabemediums. Leider ist aber nichts perfekt. Da ich z.B. selbst programmiere oder eigene WEB-Seiten entwickele, kommt es dabei nicht selten auf die Existenz jedes einzelnen Zeichens insbesondere jeglicher Art von Sonderzeichen an. Der kleinste Fehler führt zu syntaktischen Problemen, die den Erfolg vom Mißerfolg trennen. Da steht man nach meinem Empfinden auf besseren Wegen, wenn man liest. Vor dem Upload dieses Textes fühle ich mich erheblich sicherer, nachdem ich ihn noch einmal detailliert mittels der Braillezeile durchgelesen habe, um vergessene oder falsch getippte Buchstaben oder Satzzeichen lesend und nicht hörend zu korrigieren.

Sie haben die Möglichkeit, sich einen Eindruck darüber zu verschaffen, wie sich ein mittels Sprachausgabe vorgelesener Text anhört. Das Beispiel bezieht sich auf die sogenannte "Eloquenz", die der Screenreader JAWS nutzt.

Moderne Sprachausgabesysteme verfügen über eine Wörterbuchfunktion. Hierüber kann man für bestimmte Worte, Begriffe, Namen und Zeichenfolgen eine spezielle Aussprache veranlassen, was die Verständlichkeit erhöht, und gleichzeitig die Gefahr von Ablenkung und Mißverständnissen reduziert. Anhand der Begriffe "Melanie", "Ole von Beust" und einem Smilyzeichen habe ich eine kleine akustische Demonstration vorbereitet, die Sie sich zur Verdeutlichung dieses Abschnittes einmal anhören sollten.

SAPI Sprachausgaben

Bei SAPI Sprachausgaben handelt es sich um Sprachsynthese, die mittels Software im Rahmen von Windows- und MAC-Betriebssystemen in einer Art Schnittstellenfunktion realisiert wird. SAPI steht für den englischen Begriff "Speech Application Programming Interface". Die modernste somit aktuelle Entwicklungsstufe ist "SAPI5".

Zum Lieferumfang von WINDOWS XP gehört die männliche Stimme Sam, WINDOWS 7 hingegen verfügt über die weiblichen Stimmen Ellen und Anna. Diese Stimmen haben einen extrem amerikanischen Einschlag und sind somit sehr unverständlich. Wer es verständlicher haben möchte, muß investieren und sich beispielsweise die deutschsprachigen Stimmen Steffi und bzw. oder Jannek schlimmstenfalls kostenpflichtig zulegen. Nach einer entsprechenden Installation können die Stimmen in der Systemsteuerung bzw. einigen sprachgenerierenden Anwendungen wie JAWS oder NVDA ausgewählt werden. Sofern eine Auswahl der Stimme in der Anwendungssoftware nicht vorgesehen ist, muß dieses in der Systemsteuerung erfolgen, was in WINDOWS 7 nicht trivial ist und den Rahmen dieses Abschnittes sprengen würde. Wer sich bei WINDOWS 7 für die 64-Bit-Version entscheidet, steht in diesem Zusammenhang signifikant vor fast unlösbaren Problemen und sollte deshalb die 32-Bit-Version rechtzeitig in Betracht ziehen.

Auf der englischsprachigen Seite Sample and Purchase Cepstral® Voices - SAPI5 TTS voices for Windows or Mac kann man sich sehr gut informieren. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, seinen Hilfsmittellieferanden zu befragen, ob SAPI5 Sprachausgaben zum Lieferumfang gehören. Anwender von JAWS erhalten ggf. auf Wunsch eine CD mit Software, wo auch die Stimmen Steffi und Jannek enthalten sind.

1999 © Copyright by Matthias Hänel, Norderstedt
Letzte Änderung 26.7.2011