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Mit Blindenschrift und Computer ins Internet

Grafischer Sicherheitscode zur Abwicklung von Transaktionen

Captcha

Vielleicht haben Sie es schon erlebt. Man befindet sich im Netz und möchte eine bestimmte Transaktion abwickeln. Für diesen Zweck erscheint auf dem Bildschirm ein Formular, das auszufüllen ist. Alle geforderten Angaben werden eingetragen, und irgendwo auf dem Formular befindet sich ein Bild mit einer Zeichenkette, die manuell auf die Tastatur zu übertragen ist. Normalerweise ist es kein Problem, die beispielsweise im Bild erscheinende Kette "cx8dv" in die Tastatur einzutippen. Mit dieser Maßnahme wollen sich Anbieter absichern, indem sich wirklich ein Mensch und kein Roboter am Ende einer Internetverbindung befindet. Leider nehmen die Aktivitäten von Automaten zu, die im Netz gewisse Aktionen auslösen, um unverhältnismäßige Promotion zu betreiben. Die in diesem Abschnitt behandelte Gegenmaßnahme der von Robots abgewickelten Netzaktivitäten nennt man Captcha bzw. in Plural Captchas. Hierbei wird der Mensch am Computer vor eine Aufgabe gestellt, deren Lösung nicht ohne weiteres von Maschinen abgewickelt werden kann. Hierbei setzt man auch Verschleierungsstrategien ein, d.h. die abzutippenden Zeichenketten sind verzerrt bzw. verschwommen oder anders undeutlich gemacht, was eine maschinelle Lesbarkeit maßgeblich erschwert.

Blinde und Sehbehinderte sind tragischerweise Opfer dieser Maßnahme, die ursprünglich gegen eine im Internet zunehmende Unsitte gedacht ist. Da Screenreader keine Bilder interpretieren können, steht in diesem Fall dem Sehgeschädigten nicht die notwendige Zeichenkette zur Verfügung, um sich zu legitimieren. Das, was man ursprünglich wollte, kann nicht in Angriff genommen werden. So ist es mir beispielsweise nicht gelungen, bei YAHOO selbständig eine Benutzerkennung zu beantragen, meine Seite bei Suchmaschinen anzumelden oder Informationsmaterial anzufordern.

Sicherlich ist es gegenüber den Anbietern schwer durchzusetzen, auf den beschriebenen grafischen Sicherheitscode zu verzichten, denn die existierenden Gegenargumente habe ich selbst in diesem Abschnitt erwähnt. Man muß sich also über Verfahren Gedanken machen, die eine gewisse Sicherheit im Netz weiter gewährleisten und dennoch nicht Blinde und Sehbehinderte ausgrenzen. Hierzu gibt es zwei Gedankenansätze.

So besteht die Möglichkeit, dass über die Problematik informierte Mitarbeiter stelllvertretend diese Aktivität abwickeln. Das kann mittels telefonisch erreichbarer Kundendienste erfolgen. Auch kompetente Callingcenter sind zur Betreuung im Rahmen dieser Sonderaufgabe denkbar.

Jedoch bestehen auch technische Möglichkeiten, dem Blinden oder Sehbehinderten diesen Sicherheitscode über einen alternativen Weg anzubieten, damit auch weiterhin einschränkungslos das Internet benutzt werden kann. Man könnte nämlich diesen meistens kryptischen Zeichencode nicht nur über eine Grafik, sondern auch mittels einer Audio-Datei erstellen. Der Sehgeschädigte müßte somit den Code hören, um diesen wie alle mittels der Tastatur einzugeben. Auf diese Weise ist somit auch kein personeller Zusatzaufwand erforderlich.

Sicherheit im Netz ist wichtig und auf keinen Fall zu vernachlässigen. Aber auch in diesem Zusammenhang sollte darauf geachtet werden, keine neuen Barrieren zu schaffen.

Akustische Captchas

Bei dem Anbieter CAPTCHAS.NET habe ich eine gut praktikable Lösung von akustischen Captchas gefunden, die Sie ruhig einmal ausprobieren sollten.

WEBVISUM

Bei WEBVISUM handelte es sich um eine Initiative seitens quer über den Erdball verstreuter "sehender" Spezialisten, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, Blinden und Sehbehinderten im Rahmen ihrer Internet-Nutzung einige Steine aus dem Weg zu räumen. Hierzu gehörte die Übersetzung von Captchas. Die Umwandlung wurde mit einem Plugin für den Browser FIREFOX ab Version 3 realisiert.

Leider hat WEBVISUM die Versionspolitik von Mozilla nicht überlebt. Ständig neue Versionen des Firefox haben nämlich WEBVISUM einschlafen lassen, weil wahrscheinlich permanent veränderte Programmversionen des Browsers eine ebenfalls permanente Anpassung des Plugins von WEBVISUM veranlaßt hat. Die freiwilligen Entwickler haben wohl den Kampf aufgegeben. Schade!

Dennoch beschreibe ich an dieser Stelle die ehemals erforderlichen Maßnahmen für den sehbehinderten Anwender, um deutlich zu machen, mit welchem relativ geringen Aufwand es für Sehgeschädigte möglich war, Captchas zu lösen.

Um den Service zu aktivieren, mußte man sich zunächst von einem bei WEBVISUM bereits registrierten Mitglied zu einer Registrierung einladen lassen. Dieses erfolgte in der Form, indem das registrierte Mitglied einen mehrstelligen Aktivierungscode über die WEBVISUM-Seite generierte. Dort konnte man entweder unmittelbar die Mailadresse des Interessenten angeben, oder der Code mußte nach Generierung selbst an den zukünftigen Benutzer übermittelt werden. Dieser war nun gezwungen, im Rahmen seiner eigenen Registrierung bei WEBVISUM den erhaltenen Aktivierungscode zu übermitteln. Dieser umständlich erscheinende Zwischenschritt hatte sich als notwendig erwiesen, weil sich zwischenzeitlich Robots einen Zugang erschlichen hatten, um die Sicherheitsschwelle der Captchas auf Kosten der behinderten Internetbenutzer zu unterwandern.

Nach einer erfolgreichen Registrierung war es notwendig, von WEBVISUM ein kleines und bereits erwähntes Zusatzprogramm bzw. Plugin herunterzuladen, um hiermit mittels einer Installation den FIREFOX einschließlich entsprechender Hilfedateien zu erweitern.

Falls ein Sehgeschädigter mit Hilfe seines installierten und inzwischen erweiterten FIREFOX auf eine WEB-Seite gelangte, auf der der Inhalt eines Captcahs in die Tastatur einzugeben ist, waren folgende Aktionen erforderlich:

Weitere Informationen

Nähere Informationen über den Initiator von WEBVISUM Marc Dohnal und seine Aktivitäten sowie Pläne erhalten Sie in einem veröffentlichten Interview.

Sehr interessant erscheint mir auch ein Artikel über barrierearme alternative Captchas.

1999 © Copyright by Matthias Hänel, Norderstedt
Letzte Änderung 13.7.2016